Die Schnecke Milana hat einen schlechten Tag

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Die Schnecke Milana hat einen schlechten Tag

 

Hätte Milana gewusst, welcher Ärger auf sie zukam, dann hätte sie ihr Häuschen heute nicht verlassen. So aber war sie, zunächst noch fröhlich, durch das Salatbeet gekrochen. Sie hier und da ein wenig genascht und dann ging es los! Ärger auf der ganzen Linie!

Erst war da dieses große, grausige Felltier. Mit seiner großen Schnüffelnase hat es unentwegt an ihr geschnuppert und einmal, ja, da hatte es sogar die Zähne gefletscht. Unheimliche, riesengroße Zähne. Oh, wie hatte sie sich da erschrocken. Im letzten Moment konnte sie sich in einen großen Salatkopf retten. Mittenhinein schlüpfte sie und duckte sich.

Milana war vor Erschöpfung sogar ein wenig eingeschlafen. Als sie wieder wach wurde, war das Schnüffeltier verschwunden und sie wagte sie wieder hinaus. Ach, wie herrlich war es doch, wenn es gerade geregnet hatte. Milana liebte den Regen sehr. Die klare Luft und die knackigen Kräuter waren wunderbar. Auch gut war, dass Schnüffeltiere sich bei Regen meist nicht im Garten aufhielten.
Trotzdem war etwas anders. Es passte auch irgendwie zu diesem Tag, der den Ärger im Gepäck hatte. Das Salatbeet sah nämlich nach dem Regenguss so anders aus. Wie eine Pfütze, nein, wie ein kleiner See fast. Nur kleine Inseln ragten aus dem Wasser heraus. Salatinseln. Und auf einer saß sie, Milana.

Wie sollte sie nun hier wegkommen? Schwimmen konnte sie nicht und auch das Fliegen war für Schnecken unmöglich. Sie musste sich gedulden und das war, auch wenn sie selbst die Langsamkeit für sich in Anspruch nahm, keine ihrer Stärken. Allerdings hatte Milana keine Zeit, sich weiter Gedanken zu machen. Der nächste Ärger näherte sich in bunten Gummistiefeln. Sie waren laut, diese Stiefelfüße, und sie trampelten hart durch den Matsch, in den Pfützen quietschten sie sogar ein wenig. Das klang nicht gut. Gar nicht gut. Und die Stimme der Menschenfrau, die sich von diesen lauten Stiefeldingern durch den Garten tragen ließ, klang auch nicht gut. Nein, unfreundlich klang sie, verärgert.

„Immer dieser schrecklichen Schnecken!“, rief die Stimme nun. „Wie ich sie doch hasse, diese fressgierigen Dinger! Alles machen sie kaputt! Oh, mein schöner Salat! Oh, oh! … Na, wartet!“

Mit spitzen Finger packte sie Milana, die sich schnell wieder in ihrem Häuschen verkrochen hatte und schleuderte sie weit von sich fort, direkt über den Gartenzaun auf die dahinterliegende Wiese.

„Weg mit euch Viechern. Hinweg“, rief die Frau ihr hinterher. „Fresst dort weiter oder noch besser, geht rüber in Nachbars Garten. Mir aber, mir bleibt besser vom Leibe.“

Milana schüttelte sich. Was für ein Schreck aber auch! Sie richtete die Fühler auf und blickte sich um.

Sie konnte nicht viel sehen, denn die Wiese hatte hohes Gras, das noch nicht abgeerntet worden war. Was für ein Glück, dass ihr Haus keinen Schaden erlitten hatte und sie selbst war unverletzt geblieben. Das hätte böse ausgehen können. Eine Weile kroch Milana durch das hohe Gras und fühlte sich mutterseelenallein auf der Welt.

„Hey, hallo, was machst du hier so alleine auf der Wiese?“, fragte plötzlich eine fremde Stimme. „Die Sonne steht längst wieder am Himmel und ihr Schnecken solltet doch längst an euren schattigen Plätzen und Nischen vor ihr Schutz suchen. Oder bist du so sehr wagemutig?“

„Oh nein!“, rief Milana. „Ich bin der größte Feigling unter der Sonne und ich bin ja auch gar nicht freiwillig hier. Geflogen bin ich, im hohen Bogen über den Zaun!“
„Du kannst fliegen? Da staune ich aber sehr. Das kann ja nicht einmal ich und ich kann viel!“

„Angeber!“, schimpfte Milana. „Wer bist du eigentlich?“
„So klein und doch so frech! Hast du noch nie eine Katze gesehen, du Wicht?“
Lustig fand Milana das nun nicht mehr, aber irgendwie passte es zum Tag. Sie hatte auch keine Lust, sich mit dem Felltier zu streiten.
„Lass mich einfach in Ruhe!“, sagte sie deshalb. „Ich muss los!“
„Ich könnte dich zu den Deinen bringen. Sie haben sich hinten am Teich versammelt, dort ist es schön kühl.“, schlug die Katze vor, die das Schneckenmädchen niedlich fand und gemerkt hatte, dass Milana traurig war.
Milena erschrak. Ein bisschen schämte sie sich, hatte sie doch nie geglaubt, dass dieses riesig große Tier es gut mit ihr meinen könnte. Eine große Sehnsucht nach ihren Schneckenfreunden überflutete sie.

„Das ist so lieb von dir“, flüsterte sie. „Aber wie soll das gehen?“

„Kriech du nur in dein Häuschen, ich werde dich dann ganz sanft zum Teich tragen, in meinem Maul. Kein Haar wird dir gekrümmt werden, verlass dich drauf!“

Milana kicherte. „Ich habe ja gar keine Haare! Aber ich vertraue dir!“

Sie kroch in ihr Haus und ein paar Momente später landete sie im weichen Gras am Teich, wo sie mit einem freundlichen „Hallo“ begrüßt wurde.

„Hach“, seufzte Milana. „Nun hat dieser schreckliche Tag doch noch ein gutes Ende gefunden!“

 

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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